Mahnwache am Flughafen Tempelhof

Mahnwache am Flughafen Tempelhof.

Flughafen Tempelhof: Wer veranlasst die Schändung der Trauerstelle?

(19. 11. 2008) Pfiffe und Buhrufe begleiteten am 30. Oktober die geschmacklose Abschiedsgala und die Rede des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit.

Vor dem Flughafengebäude protestieren ca. 1000 Demonstranten: Tränen, Transparente, Wut und Protest, es regnet, es ist kalt, die Wolken hängen tief, ja selbst der Himmel weint.

Einige der protestierenden Berliner zünden am Eagle Square - das Denkmal mit dem Adlerkopf - Grabkerzen an, legen Blumen und Protestbotschaften nieder.

Wochen nach der Schließung gehen vor dem Denkmal, welches die Amerikaner errichteten, die Trauerbekundungen und der stille Protest gegen die Schließung des Zentralflughafens weiter:

Blumen, Kränze, rote und weiße Grabkerzen brennen am Denkmal. Kleine Plakate mit Kommentaren u. a. von Lea Rosh, die als SPD-Mitglied Unverständnis für die Schließung und somit gegen Wowereits Handeln ausdrückt.

"Wir geben nicht auf", oder: "Tempelhof bleibt – Wowereit fliegt", sind weitere Bekundungen des friedfertigen Protestes der Flughafen-Befürworter. Eine Unterschriftenliste fordert die Berliner zur Teilnahme am neuen Volksbegehren auf.

Andreas Donati vom Aktionbündnis be-4-tempelhof.de, täglich am Denkmal ist empört: „Seit es diese Trauerbekundungen gibt, werden alle Kerzen, Trauerbriefe und Blumen am Adlerkopf gestohlen, das ist ungeheuerlich“.

Donati weiter: Das ist ja ein öffentliches Denkmal und diese Menge an Kerzen und Blumen zu entfernen ist so einfach nicht möglich und ggf. eine Straftat.

Es sind schon einige hunderte Grablichter, meisten auch namentlich gekennzeichnet von der Erinnerungsstelle entwendet worden. Auch die Schilder, viele liebevoll und materiellen mit hohen Aufwand angefertigt, sind verschwunden. Das Aktionsbündnis hat deshalb schon Strafanzeige wegen Diebstahl und Schändung einer Gedenkstätte gestellt.

Johann Müller, ein Anwohner des Flughafen Tempelhofs: „Es ist schon eine Schande, dass dieser Flughafen geschlossen wurde. Das nun auch der stiller Protest unterbunden wird ist eine Unanständigkeit und genauso geschmacklos wie die VIP-Party des Regierenden Bürgermeisters.“ „Mich würde es nicht wundern, wenn dieses Abräumen, die Schändung der Trauerstelle, auf Weisung, quasi als Chefsache, von oben erfolgt“, so der aufgebrachte Anwohner weiter.

Die Vermutung ist nicht ganz unbegründet. Auch der Rosinenbomber vom Typ Douglas C-54 Skymaster, der seit Jahren am Columbiadamm stand, ist seit Anfang 2008 verschwunden. Das Denkmal für die „Veteranen der Lüftbrücke“ ist verwaist.

Volker Perplies, vom Aktionsbündnis: „Es ist schon bedauerlich, wie wenig geschichtliches Bewußtsein man im Senat hat. In Tempelhof wurde Weltgeschichte geschrieben. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit blieb aber schon bei der Feierstunde zum 60. Jahrestag der Luftbrücke am Luftbrückendenkmal fern.“

Michael Paul, ebenfalls vom Aktionsbündnis: „Am 30. Oktober, einem Donnerstag wurde der Flughafen geschlossen. Wir haben in unserem Aktionsbündnis festgelegt, künftig jeden Donnerstag eine Mahnwache mit Musik und Speakers’ Corner abzuhalten. Alle Berliner sind dazu herzlich einladen“, so Paul weiter.

Ferner wird auch für den kommenden Samstag, zu einer weiteren Protestkundgebung aufgerufen. Start der Demo gegen 15:00 Uhr ist wieder der „Adlerkopf“ Am Platz der Luftbrücke; das Ziel diesmal das Rathaus Tempelhof.

Joachim Kiau, be-4-tempelhof.de: „Wir werden auf unserer Demostrecke zum Rathaus, über die Manfred-von-Richthofen-Straße, auch wieder Unterschriften für unser neues Volksbegehren sammeln.“

copyright: www.be-4-tempelhof.de

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