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Der Kampf um den Flughafen Tempelhof.

Der Kampf um den Flughafen Tempelhof.

Selten hat man die Arroganz der Macht so gespürt wie gerade jetzt in Berlin. Ein Senat, der über viele Jahre verschlafen hat, wirklich brauchbare Nutzungskonzepte für den Flughafen Tempelhof zu erarbeiten, provoziert die Hauptstadtbevölkerung wenige Tage vor dem Volksentscheid am 27.April mit einem 08/15-Flächennutzungsplan.

Er eignet sich für Industriebrachen im Ruhrgebiet, nicht jedoch für die Mitte einer Hauptstadt. Die Stadt braucht Ideen, keinen hochsubventionierten Wohnungsbau. Und: Die Finanzierungsofferte des Bundes für Tempelhof bis zum Jahr 2011 wird einfach abgelehnt. Nun bleibt den Berlinern nichts anderes übrig, als eine Protestwahl zu machen.

Es kommt aber noch toller: Die Anti-Tempelhof-Plakatkampagne, die die SPD zusammen mit anderen betreibt und die der Regierende Bürgermeister somit indirekt billigt, setzt auf den Neidfaktor. Als wenn Fliegen noch eine Klassenfrage wäre! Niemand anders als Wowereit sonnt sich sonst so im Licht der Stars und Sternchen, die selbstverständlich im Privatjet nach Berlin kommen und oft in Tempelhof landen.

Die Infamie dieser Plakatwerbung liegt darin, dass sie unverhohlen auf die Bevölkerung im Osten der Stadt zielt und die in den Köpfen längst nicht überwundene Teilung zementieren möchte. Somit sind in wenigen Tagen besonders die Ostberliner gefordert, Nein zu einem solch dreisten Versuch zu sagen, die Stadt erneut zu trennen.

Die Abstimmung, auf die am Ende die ganze Welt schauen wird, besonders die direkte Konkurrenz in London, Paris, Madrid, Warschau und Moskau, wird in jeder Hinsicht hochspannend: Sie wird nach der gestrigen Provokation durch den rot-roten Senat eine Protestwahl. Darüber hinaus müssen sich die Berliner klar werden, wie sie zu Tempelhof, zur Nachkriegsgeschichte und letzten Endes zur eigenen Hauptstadt stehen.

Das Gesamtergebnis wird ferner eine Aussage dazu liefern, wie weit die Stadt in den letzten 20 Jahren zusammengerückt ist, in welchem Maß auch die Ostberliner die Geschichte von Tempelhof, eine Geschichte der Freiheit, die deutsche Demokratiegeschichte nach 1945 schlechthin, zu ihrer eigenen gemacht haben. Was den 17.Juni 1953 betrifft, sind wir leicht zusammengekommen. Wie steht es aber um das Berliner Entscheidungsjahr 1948? Schließlich wird das Ergebnis auch ein Indiz dafür liefern, wie weit diese Stadt und das ganze Land zukunftsfähig sind.




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